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Hydraulischer Abgleich: Häufige Fragen und Antworten (FAQs)

Das Prinzip des hydraulischen Abgleichs ist schnell erklärt: Mit den richtigen Widerständen für gleichmäßig warme Räume sorgen. Aber der Teufel steckt ja bekanntlich im Detail. Deswegen finden Sie hier die häufigsten Fragen und Antworten: von ganz grundlegenden Dingen bis zu wichtigen Kleinigkeiten.

Allgemeines

1. Was wird eigentlich genau bei einem hydraulischen Abgleich gemacht?
2. Zu welcher Jahreszeit ist ein hydraulischer Abgleich sinnvoll?
3. Bleibt die Heizung bei einem hydraulischen Abgleich in Betrieb?
4. Muss ich für den hydraulischen Abgleich irgendwelche Unterlagen besorgen?
5. Was ist mit Fußbodenheizungen, Einrohrheizungen oder Gasetagenheizungen?
6. Hydraulischer Abgleich bei Fußbodenheizungen: Wie funktioniert das?
7. Was sind voreinstellbare Thermostatventile und woran erkenne ich die?

Kosten und Nutzen

8. Warum ist ein hydraulischer Abgleich überhaupt nötig?
9. Gab es bei meiner Heizung schon einen hydraulischen Abgleich?
10. Was kostet ein hydraulischer Abgleich?
11. Lohnt sich ein hydraulischer Abgleich eher in großen oder in kleinen Gebäuden?

Nach dem hydraulischen Abgleich

12. Reicht ein hydraulischer Abgleich für die gesamte Lebensdauer eines Heizsystems?
13. Muss ich mich nach dem hydraulischen Abgleich anders verhalten?
14. Woher kommen Geräusche, die trotz hydraulischem Abgleich auftreten?

Fachleute für den hydraulischen Abgleich

15. Wer kann einen hydraulischen Abgleich machen?
16. Mit wie vielen Terminen muss ich für einen hydraulischen Abgleich rechnen?
17. Warum sollen Handwerker in „Rat und Tat“  ihre Qualifikation nachweisen?
18. Ist der hydraulische Abgleich in den Lehrplänen enthalten?

Förderung

19. Welche BAFA-Förderung gibt es für einen hydraulischen Abgleich?
20. Gibt es für einen hydraulischen Abgleich Zuschüsse oder Kredite von der KfW?
21. Gibt es für den hydraulischen Abgleich eine regionale Förderung?

Technisches rund um den Abgleich

22. Welche Abgleich-Methoden gibt es und welche ist die beste?
23. Sind Heizlast oder hydraulischer Abgleich auch mit Datenschieber zu berechnen?
24. Was ist mit Kermi-Heizkörpern, die mit hydraulischem Abgleich "ab Werk" werben?
25. Wie sinnvoll ist "REALhydraulik", ein "automatischer Abgleich"?
26. Hydraulischer Abgleich direkt am Heizkörper – ist das möglich?
27. Was ist besser: voreinstellbare Thermostatventile oder Rücklaufverschraubungen?

Gebäude- und Heizungssanierung

28. Sollte das Sanieren meines Hauses (Baujahr 1969) mit dem Abgleich beginnen?
29. Ist die Gebäudehülle vor oder nach einem hydraulischen Abgleich zu sanieren?
30. Was ist beim Erneuern der kompletten Heizungsanlage zu beachten?
31. Die Heizung soll nach und nach erneuert werden. Womit fange ich an?
32. Ich plane einen Neubau. Was muss ich für einen hydraulischen Abgleich beachten?

Allgemeines

1. Was wird eigentlich genau bei einem hydraulischen Abgleich gemacht?

Für den hydraulischen Abgleich sind fünf Schritte nötig:

  1. Für jeden Raum wird die benötigte Wärmeleistung ermittelt. Wichtig dabei: die Dämmung der Außenwände, die Qualität der Fenster und Wärmeverluste über Fußboden und Decke sowie das Lüftungsverhalten.
  2. Anhand des Leistungsvermögens der vorhandenen Heizkörper/Heizregister wird zuerst eine optimale Vorlauftemperatur und dann die nötige Heizwassermenge bestimmt.
  3. Das Rohrnetz und seine Strömungswiderstände werden erfasst/abgeschätzt und so die optimale Pumpenleistung errechnet.
  4. Damit sind die Werte für die nötigen Widerstände im Kreislauf, also an jedem einzelnen Heizkörper, zu ermitteln.
  5. Zum Schluss sind nur noch die ermittelten Werte am Kessel/Wärmeerzeuger (Heizkurve), der Pumpe und den voreinstellbaren Thermostatventilen einzustellen.

Tipp: Die Broschüre „Wasser nimmt den einfachsten Weg“ (PDF, 4,77 MB) vom VdZ – Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik e.V. erklärt anschaulich die technischen Hintergründes eines hydraulischen Abgleichs.

2. Zu welcher Jahreszeit ist ein hydraulischer Abgleich sinnvoll?

Ein hydraulischer Abgleich ist prinzipiell zu jeder Jahreszeit möglich. Allerdings lässt sich der Erfolg der Maßnahme teilweise nur während der Heizperiode feststellen. Schließlich muss es kalt sein und die Heizung muss laufen, um zu erkennen, ob die Räume gleichmäßig warm werden und ob es in der Heizung noch rauscht. Vorteil im Sommer ist, dass das Abschalten der Heizanlage einfacher ist – zum Beispiel für den Einbau voreinstellbarer Thermostatventile. Am besten fragen Sie Ihren Fachmann vor Ort nach dem optimalen Zeitpunkt für Ihre Heizanlage.

3. Bleibt die Heizung bei einem hydraulischen Abgleich in Betrieb?

Der hydraulische Abgleich der Heizung kann bei laufendem Betrieb stattfinden, wenn alle notwendigen hydraulischen Komponenten vorhanden sind. Zu den Komponenten zählen voreinstellbare Thermostatventile und der Vorlauftemperaturregler am Wärmeerzeuger/Kessel sowie im optimalen Fall eine einstellbare geregelte (Hocheffizienz-)Pumpe. Für den Einbau voreinstellbarer Ventile muss die Anlage in der Regel komplett entleert, anschließend wieder gefüllt und entlüftet werden. Bei manchen Ventilen kann jedoch eine Montageschleuse (bei austauschbaren Ventileinsätzen) oder eine lokale Netzvereisung genutzt werden. Ein Regler für die Vorlauftemperatur ist meist vorhanden. Sollte er fehlen, kann er nur nachgerüstet werden. Dafür muss die Anlage nur kurz ausgeschaltet werden. Für einen Pumpentausch muss die Anlage ausgeschaltet und ggf. auch das komplette Wasser aus der Anlage abgelassen werden. Allerdings ist der Pumpentausch nicht immer möglich und auch nicht zwangsläufig nötig.

4. Muss ich für den hydraulischen Abgleich irgendwelche Unterlagen besorgen?

Hilfreich können Baupläne, Baubeschreibungen, U-Werte (früher k-Werte) und KfW-Nachweise/Energieberatungsberichte sein. Am besten sprechen Sie mit Ihrem Fachmann für den hydraulischen Abgleich, welche Unterlagen er genau benötigt. Liegen dem Bauherren oder Eigentümer keine passenden Unterlagen vor, können meist Planer oder Architekten weiter helfen.

5. Was ist mit Fußbodenheizungen, Einrohrheizungen oder Gasetagenheizungen?

Bei den am weitesten verbreiteten Anlagen mit einem zentralen Heizkessel im Keller oder in der Etage, einem Zweirohrsystem und Heizkörpern (Radiatoren) ist ein hydraulischer Abgleich problemlos möglich. Bei anderen Systemen gibt es einige Besonderheiten. Aber grundsätzlich können alle Pumpenheizungen hydraulisch abgeglichen werden. Details finden Sie in unserem Artikel Hydraulischer Abgleich bei verschiedenen Heizsystemen und in dieser FAQ-Frage.

6. Hydraulischer Abgleich bei Fußbodenheizungen: Wie funktioniert das?

Um konstante Raumtemperaturen zu erreichen, werden in Heizsystemen die Durchflussmengen durch einen hydraulischen Abgleich einreguliert. Bei Fußbodenheizungen ist diese präzise Regulierung wichtig, weil das Regelverhalten im Vergleich zu anderen Heizsystemen sensibler und träger ist. Zur Wärmeübertragung dient schließlich die gesamte Fußbodenoberfläche.
Die Einregulierung erfolgt bei Fußbodenheizkreisen mit Verteilern, Abgleichoberteilen und Ventilstellantrieben. Am Heizkreisverteiler wird mit Abgleichoberventilen wie TOPMETER die Durchflussmenge, die zuvor mit der Rohrnetzdimensionierung berechnet wurden, direkt eingestellt.

7. Was sind voreinstellbare Thermostatventile und woran erkenne ich die?

Voreinstellbare Thermostatventile sorgen an jedem einzelnen Heizkörper für den optimalen Fließwiderstand. So wird sichergestellt, dass genau die Menge Wasser durchfließt, die benötigt wird. Zu erkennen sind voreinstellbare Thermostatventile an einer Skala auf dem Ventilunterteil, das unter dem Thermostatkopf zu finden ist. Sind keine voreinstellbaren Thermostatventile vorhanden, müssen sie nachgerüstet werden. Pro Stück ist mit Kosten von rund 30 Euro zu rechnen. Möglich ist ein hydraulischer Abgleich zwar auch mit oft bereits vorhandenen Rücklaufverschraubungen. Allerdings ist er mit voreinstellbaren Thermostatventilen besser nachvollziehbar.

Kosten und Nutzen

8. Warum ist ein hydraulischer Abgleich überhaupt nötig?

Damit die Heizung effizient läuft, müssen die einzelnen Komponenten richtig dimensioniert und auf den Energiebedarf des Hauses abgestimmt sein: vom Heizkessel über die Pumpe bis zur richtigen Einstellung der voreinstellbaren Thermostatventile an den Heizkörpern. Bei etwa 90 Prozent der Heizungsanlagen ist das nicht der Fall. Die Folgen: Die Räume werden ungleichmäßig warm, teure Energie geht verloren und ggf. rauscht es in der Heizungsanlage. Werden einzelne Komponenten der Heizanlage ausgetauscht oder ändert sich der Energiebedarf des Hauses, zum Beispiel durch eine Modernisierung, sollte die Anlage durch einen hydraulischen Abgleich optimal eingestellt werden.

9. Gab es bei meiner Heizung schon einen hydraulischen Abgleich?

Ob ein hydraulischer Abgleich bereits gemacht wurde, lässt sich von außen nicht erkennen. Auskunft darüber könnte der Vorbesitzer, Vermieter oder der zuständige Heizungsfachmann geben. Die Wahrscheinlichkeit ist aber gering, denn von zehn Anlagen in Deutschland sind neun nicht abgeglichen. Stattdessen werden meist überdimensionierte Heizungspumpen eingesetzt und die Vorlauftemperatur am Kessel erhöht, wenn nicht alle Räume warm werden. Die Folge: Zu hoher Verbrauch und zum Teil auch noch lästige Fließgeräusche.

10. Was kostet ein hydraulischer Abgleich?

Ein hydraulischer Abgleich kostet für ein durchschnittliches Einfamilienhaus zwischen 800 und 1.300 Euro (siehe Beispielrechnung). Der genaue Preis ist unter anderem davon abhängig, wie viele voreinstellbare Thermostatventile nachgerüstet werden müssen und ob die Heizungspumpe auszutauschen ist. In der unten eingefügten Beispielrechnung sorgt der hydraulische Abgleich dafür, dass die jährlichen Heizkosten um etwa 120 Euro sinken. Somit rentiert sich die vergleichsweise kostengünstige Maßnahme schon nach acht Jahren – und damit deutlich schneller als die meisten anderen Investitionen wie Dämmung der Gebäudehülle oder Fenstertausch. Wie hoch Kosten und Sparpotenzial bei Ihnen sind, erfahren Sie im Ratgeber WärmeCheck.

Beispielrechnung

  • Einfamilienhaus, Baujahr 1983, 125 m² Wohnfläche
  • mit Einbau von voreinstellbaren Thermostatventilen
  • ohne Tausch der Heizungspumpe
  • jährliche Heizkosten vor Abgleich: 1.450 Euro (a)
  • Kosten hydraulischer Abgleich: 650 Euro
  • Heizkostenersparnis pro Jahr: 110 Euro (b)
  • Amortisationszeit: 6 Jahre

(a) bei einem aktuellen Durchschnittspreis von 8 Cent/kWh für Heizenergie
(b) gerechnet über die Amortisationszeit bei einer jährlichen Preissteigerung von 7 %

11. Lohnt sich ein hydraulischer Abgleich eher in großen oder in kleinen Gebäuden?

Der Effekt des hydraulischen Abgleichs ist nicht direkt von der Größe des Gebäudes abhängig. Forschungsergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass der Effekt mit der Zahl der Mietwohnungen innerhalb eines Hauses steigt. Mieter in großen Häusern gehen demnach in der Regel etwas verschwenderischer mit Heizenergie um als Eigentümer kleiner Häuser. Der hydraulische Abgleich bringt dann eine größere Einsparung. Bei kleinen Gebäuden sorgt er häufiger für mehr Komfort, aber insgesamt weniger Einsparung. Bedeutender als die Größe eines Gebäudes ist die Modernisierung von Gebäudehülle oder Wärmeerzeugern (Kessel, Wärmepumpe, Solarthermie). Danach oder parallel sollte in jedem Fall ein hydraulischer Abgleich vorgenommen werden. Bei Neubauten, egal welcher Größe, ist er inzwischen ohnehin vorgeschrieben. Mit dem WärmeCheck finden Sie heraus, was der hydraulische Abgleich in Ihrem Fall bringt.

Nach dem hydraulischen Abgleich

12. Reicht ein hydraulischer Abgleich für die gesamte Lebensdauer eines Heizsystems?

Wer für eine bauliche Verbesserung wie Dämmung oder neuen Fenster sorgt, muss einen neuen hydraulischen Abgleich machen oder den alten aktualisieren lassen. Deswegen sollte der Abgleich erst nach baulichen Maßnahmen erfolgen. Werden dagegen nur einzelne Komponenten einer Heizanlage ausgetauscht, können die alten Werte verwendet oder mit wenig Aufwand neue ermittelt werden. Sprechen Sie dazu mit dem Fachmann, der den hydraulischen Abgleich durchgeführt hat. Im Einzelnen: Wird der Kessel erneuert, muss die Regelung (Heizkurve oder auch Heizkennlinie: Vorlauftemperatur abhängig von der Außentemperatur) auf die zuvor berechneten Werte eingestellt werden. Wird die Pumpe getauscht, ist die Förderhöhe auf den berechneten Wert einzustellen und es sind ggf. neue Funktionen zu programmieren. Beim Austausch hydraulischer Komponenten wie Dreiwegeventilen, Thermostatventilen und Rücklaufverschraubungen sind die neuen Widerstände zu berücksichtigen. Diese können in die alte Berechnung des Abgleichs eingetragen werden, um neue Werte zu ermitteln.

13. Muss ich mich nach dem hydraulischen Abgleich anders verhalten?

Bei einem hydraulischen Abgleich wird die Heizanlage an den tatsächlichen Bedarf des Gebäudes angepasst. Konkret bedeutet das: Die mögliche Leistungsabgabe der Heizkörper wird eingeschränkt, um jeden Raum nur mit der tatsächlich erforderlichen Wärmemenge zu versorgen und Energieverschwendung zu verhindern. Hauseigentümer und Mieter können diesen Prozess unterstützen, wenn Sie folgende Hinweise nach einem hydraulischen Abgleich beachten:

Vermeiden Sie Stop and Go-Betrieb, also das ständige Rauf- und Runterdrehen der Thermostate. Entscheidend ist nicht, ob Ihr Heizkörper immer warm ist, sondern ob das Zimmer die gewünschte Temperatur erreicht. Um das zu erreichen, muss nun kontinuierlich geheizt werden. Der Energieverbrauch ist trotz kontinuierlicher Beheizung geringer, da die Energiemenge besser über den Tag verteilt wird und die Heizungsanlage effizienter läuft. Zusätzlich sollten Sie ein Auskühlen der Räume, etwa durch dauerhaft gekippte Fenster, vermeiden. Ein unbeabsichtigtes Ablüften kostbarer Wärme durch das Fenster macht sich nun schnell durch eine sinkende Raumtemperatur bemerkbar.

Weitere Tipps finden Sie in unserer Checkliste „Muss ich mein Heizverhalten nach einem hydraulischen Abgleich ändern“.

14. Woher kommen Geräusche, die trotz hydraulischem Abgleich auftreten?

Der hydraulische Abgleich sorgt in der Regel dafür, dass von der Heizanlage verursachte Störgeräusche verschwinden. Treten weiterhin Störgeräusche auf, kann das zwei Ursachen haben: a) in Wärmeerzeuger integrierte Pumpen mit zu hohem, nicht einstellbarem Druck – Abhilfe schafft hier ein Differenzdruckregler; b) Wasserdampfschläge am Ventil, die bei extremen Strömungsgeschwindigkeiten auftreten – hier hilft ein Durchflussregler.

Fachleute für den hydraulischen Abgleich

15. Wer kann einen hydraulischen Abgleich machen?

Oft fehlen für einen hydraulischen Abgleich der Heizanlage einzelne Komponenten wie voreinstellbare Thermostatventile. Deshalb muss in der Regel ein Heizungsmonteur ran. Alle Vorarbeiten, d. h. Begehung/Datenaufnahme und Berechnungen, können auch Energieberater oder Schornsteinfeger erledigen. Diese sprechen sich dann üblicherweise mit einem Heizungsmonteur ab, der fehlende Komponenten einbaut und die Einstellungen vornimmt. Bei einem größeren Mehrfamilienhaus sollte darauf geachtet werden, dass ein Ingenieur die Berechnungen übernimmt. Einen Fachmann vor Ort finden Sie mit dem Ratgeber „Rat und Tat“. Sie können sich auch in der nächstgelegenen Verbraucherzentrale beraten lassen, die Sie mit der Suche der Verbraucherzentrale finden können.

16. Mit wie vielen Terminen muss ich für einen hydraulischen Abgleich rechnen?

Üblicherweise kommt ein Fachmann erst mal vorbei, um sich ein Bild zu machen und alle nötigen Daten aufzunehmen. Die Berechnung erfolgt dann meist im Büro. Beim zweiten Termin werden gegebenenfalls neue Komponenten eingebaut und alle nötigen Einstellungen vorgenommen. Es ist aber auch möglich, gleich vor Ort zu rechnen. Sind alle Komponenten vorhanden, kann dann auch gleich alles optimal eingestellt werden. Das ist aber die Ausnahme. Bei größeren Mehrfamilienhäusern (MFH) ist die Berechnung deutlich aufwändiger und kann nicht vor Ort vorgenommen werden.

17. Warum sollen Handwerker in „Rat und Tat“ einen Nachweis ihrer Qualifikation erbringen?

Ziel  des hydraulischen Ablgeichs ist es, jeden  Heizkörper genau mit der  Menge an warmem Wasser zu versorgen, die er zur Erwärmung des jeweiligen Raumes benötigt. Damit eine Heizungsoptimierung das mögliche Einsparpotenzial voll ausschöpft, sollte der Handwerker die Heizlast pro Raum, die benötigte Vor- und Rücklauftemperatur des Wassers und die Förderhöhe der Heizungspumpe berechnen.  

Mit einer speziellen Software kann der Handwerker diese Berechnungen vornehmen und einen Berechnungsnachweis (Musternachweis Optimus, Musternachweis ZV Plan, Musternachweis DanBasic V) erstellen, den er Ihnen als Kunden aushändigen sollte. co2online fordert von Handwerkern, die im Online-Branchenbuch „Rat und Tat“ die die Qualifikation „Planer für den hydraulischen Abgleich“ angeben, einen Berechnungsnachweis mit einer Software. So lässt sich beispielhaft prüfen, ob der Handwerker alle nötigen Berechnungen vorgenommen hat.

18. Ist der hydraulische Abgleich in Lehrplänen enthalten?

Das ist von Ausbildung zu Ausbildung unterschiedlich und lässt sich nicht verallgemeinern, weder für Handwerker noch für Hochschulabsolventen. In der Meisterausbildung für die Gewerke Sanitär-Heizung-Klima (SHK) ist der hydraulische Abgleich für Heizungen teilweise enthalten. Den meisten Ingenieuren für Technische Gebäudeausrüstung (TGA) dürfte er ebenfalls bekannt sein. Im Studium für Bauingenieure ist er eher kein Thema, bei Architekten praktisch gar nicht. Im Zweifelsfall sollten Sie gezielt danach fragen oder einen kundigen Fachmann vor Ort suchen, zum Beispiel über unseren Ratgeber „Rat und Tat“ oder über die Verbraucherzentrale.

Förderung

19. Welche BAFA-Förderung gibt es für einen hydraulischen Abgleich?

Als einzelne Maßnahme wird der hydraulische Abgleich vom Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) nicht gefördert. Einen Zuschuss gibt es nur, wenn bei bestimmten Installationen auch ein hydraulischer Abgleich vorgenommen und eine effiziente Umwälzpumpe eingebaut wird. Dazu zählen die Bonusförderungen bei der Installation von Solarkollektoren zur Raumheizung, Biomasseanlagen und fast aller Arten von Wärmepumpen. Nötig ist dann ein Nachweis (Fachunternehmererklärung) über die Durchführung des hydraulischen Abgleichs und über die Anpassung der Heizkurve. Formulare und Erläuterungen sind auf der BAFA-Internetseite abrufbar. Bei der Suche nach dem passenden Förderprogramm hilft der Förderratgeber.

20. Gibt es für einen hydraulischen Abgleich Zuschüsse oder Kredite von der KfW?

Im Gegensatz zum BAFA bezuschusst die KfW Förderbank den hydraulischen Abgleich auch als Einzelmaßnahme. Im Rahmen des Programms 430 (Energieeffizient Sanieren) erhalten Sie ab einer Gesamt-Investitionssumme von 3.000 Euro einen Zuschuss in Höhe von 10 Prozent der Investitionskosten. Dies ist vor allem für Wohnungseigentümergemeinschaften in Mehrfamilienhäusern interessant. Aber auch Eigentümer von Einfamilienhäusern, die zusammen mit dem hydraulischen Abgleich den Heizkessel tauschen oder im großen Stil dämmen, können von den Fördertöpfen profitieren.

Die KfW Förderbank unterstützt auch die Prüfung eines hydraulischen Abgleichs. Diese muss mindestens 300 Euro kosten, damit ein Zuschuss möglich ist. Das ist meist nur bei größeren Heizanlagen wie in Mehrfamilienhäusern der Fall. Die genauen Bedingungen hat die KfW Förderbank auf ihrer Internetseite aufgelistet. Ein Formular für den von der KfW geforderten Handwerker-Nachweis gibt es beim VdZ – Forum für Energieeffizienz in der Gebäudetechnik (PDF, 228 KB). Mit dem Förderratgeber finden Sie das passende Förderprogramm.

21. Gibt es für den hydraulischen Abgleich eine regionale Förderung?

Einzelne Kommunen und Städte fördern den hydraulischen Abgleich. Folgende regionale Förderungen sind uns bekannt:

Bitte informieren Sie sich bei Ihrem Energieversorger, Ihrer Stadt oder Kommune – und schreiben Sie uns, falls Sie eine weitere regionale Förderung für den hydraulischen Abgleich entdecken.

Technisches rund um den Abgleich

22. Welche Abgleich-Methoden gibt es und welche ist die beste?

Für den hydraulischen Abgleich sind zwei Berechnungen nötig, für die es verschiedene Methoden gibt. Erstens eine Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, meist per Computerprogramm oder nach einem vereinfachtem Verfahren. Die Methode per Computerprogramm nach DIN EN 12831 ist am genausten und meist auch schneller gemacht als eine Rechnung per Hand. Zweitens ist eine Rohrnetzberechnung nötig. Bei kleinen Netzen, beispielsweise einem Einfamilienhaus (EFH), genügt eine grobe Abschätzung der Entfernung der Heizkörper zum Kessel. Wegen der kurzen Fließwege ist ein Abschätzen hier hinreichend genau. Bei größeren Netzen wie in Mehrfamilienhäusern lohnt sich dagegen eine ausführliche Berechnung. Beides ist mit einem speziellen Computerprogramm möglich.

23. Sind Heizlast oder hydraulischer Abgleich auch mit Datenschieber zu berechnen?

Von der reinen Datenschieber-Methode ist beim hydraulischen Abgleich eines Bestandsgebäudes generell abzuraten, da sie oft zur groben Schätzung führt. Nur für die Heizlastberechnung, also den ersten Teil der Gesamtberechnung, kann ein Datenschieber eingesetzt werden. Nicht geeignet sind dabei einfache Datenschieber mit pauschalen wohnflächenbezogenen Raumheizlasten. Denn für das Berechnen der Heizlast sind auch die Dämmung der Wände, die Qualität der Fenster, die Wärmeverluste über Decke und Fußboden sowie das Lüftungsverhalten wichtig. Deswegen müssten es Datenschieber sein, mit denen die Flächen einzeln zu bewerten sind. Das ist für einen Datenschieber schon sehr anspruchsvoll und zeitintensiv. Wird die Heizlast per Computerprogramm ermittelt, sind die Berechnungen mit wenigen Mausklicks erledigt. Deswegen empfehlen Fachleute spezielle Computerprogramme für den hydraulischen Abgleich.

24. Was ist mit Kermi-Heizkörpern, die mit hydraulischem Abgleich „ab Werk“ werben?

Nach Angaben des Herstellers Kermi handelt es sich bei der werkseitigen Ventilvoreinstellung um ein „Näherungsverfahren zum hydraulischen Abgleich der Heizkörperventile“. Unter bestimmten Bedingungen ist das auch förderfähig. Allerdings wird ein solcher Abgleich nicht so genau sein wie ein hydraulischer Abgleich vor Ort. Denn dabei berücksichtigt der Fachmann auch die anderen Komponenten der Heizanlage (Pumpe etc.) sowie die Gebäudehülle (Dämmung, Fenster etc.). So können exakte Werte ermittelt werden. Außerdem werden dann nicht nur die Thermostatventile voreingestellt. Auch die optimale Heizkurve und die erforderliche Pumpenförderhöhe werden bestimmt und eingerichtet. Und: Auch beim Einsatz der Kermi-Heizkörper ist zumindest der erste Teil der Berechnungen, die raumweise Heizlastermittlung, vorzunehmen.

25. Wie sinnvoll ist „REALhydraulik“, ein „automatischer Abgleich“?

Das funkgesteuerte Verfahren wurde von unabhängiger Stelle getestet und funktioniert. Laut Anbieter ist es vor allem für große Bestandsanlagen, zum Beispiel Schulen, geeignet und ermöglicht den hydraulischen Abgleich ohne Unterbrechung des Heizbetriebs und ohne voreinstellbare Thermostatventile oder Rücklaufverschraubungen. Voraussetzung sind demnach lediglich Thermostatventile, spezielle Bauteile, welche zwischen Thermostatventilkopf und -unterteil eingebaut werden sowie eine Außentemperatur von unter zwanzig Grad. Der Abgleich mit Realhydraulik ist laut Anbieter auch bei Einrohrheizungen und Fußbodenheizungen möglich.

26. Hydraulischer Abgleich direkt am Heizkörper – ist das möglich?

Mit dem Gampper-Ventilprogramm Vario Q kann der hydraulische Abgleich nach Herstellerangaben direkt am Heizkörper vorgenommen werden. Ein Softwareprogramm ermittelt zunächst die notwendige optimale Wassermenge sowie das richtige Ventil für jeden Heizkörper. Als Berechnungsgrundlage dienen die Vorlauftemperatur der Anlage, Heizkörperleistung und Wärmebedarf der zu beheizenden Räume. Dann werden die neuen Thermostatventile, die über eine fest kalibrierte Messblende verfügen, montiert. Im Anschluss werden die Daten aus dem Softwareprogramm an ein Handmessgerät übertragen. Damit kann die Wassermenge direkt am Ventil angepasst werden. Der Vorteil dieses Ansatzes liegt demnach darin, dass man den erforderlichen Volumenstrom direkt einstellen und nachmessen kann. Allerdings bleibt der eigentliche Berechnungsaufwand eines hydraulischen Abgleichs für die Heizlast bestehen.

27. Was ist besser: voreinstellbare Thermostatventile oder Rücklaufverschraubungen?

Rücklaufverschraubungen sind Bauteile, die am Rücklauf an der unteren Seite fast aller Heizkörper zu finden sind. Eine definierte Zahl von Umdrehungen sorgt für eine bestimmte Durchflussmenge. Es geben jedoch nicht alle Hersteller definierte Werte an. Für den hydraulischen Abgleich der Heizung sind deswegen Thermostatventile sinnvoller. Bei ihnen ist die gewählte Einstellung sichtbar und so besser nachvollziehbar. Ein weiterer Nachteil von Rücklaufverschraubungen: Ist ein Heizkörper auszubauen, wird die Rücklaufverschraubung in der Regel ganz zugedreht und der Abgleich somit zerstört.

Gebäude- und Heizungssanierung

28. Sollte das Sanieren meines Hauses (Baujahr 1969) mit dem Abgleich beginnen?

In allen Gebäuden ab Baujahr 1978 (nach der ersten Wärmeschutz-Verordnung) und in baulich modernisierten ist der hydraulische Abgleich sinnvoll. Das trifft auf etwa ein Viertel aller Wohnflächen in Deutschland zu. Ist das Gebäude älter und nicht oder kaum modernisiert, sollte zunächst die Gebäudehülle saniert werden, also auch in diesem Fall. Sonst sorgt der hydraulische Abgleich zwar für eine gleichmäßige Wärmeverteilung und so für mehr Komfort. Aber Energie wird dann wenig bis gar nicht gespart. Erste Vorschläge für die Sanierung macht Ihnen der Modernisierungsratgeber

29. Ist die Gebäudehülle vor oder nach einem hydraulischen Abgleich zu sanieren?

Sind beide Maßnahmen zeitnah geplant, sollte die Gebäudehülle vorher saniert werden. Kann die Gebäudehülle erst nach dem hydraulischen Abgleich saniert werden, sind Berechnung und Einstellungen ohne großen Aufwand zu aktualisieren. Auf jeden Fall sollte der Fachmann für den hydraulischen Abgleich vorab über geplante Maßnahmen informiert werden.

30. Was ist beim Erneuern der kompletten Heizungsanlage zu beachten?

Auch bei einer Erneuerung einer kompletten Heizungsanlage ist der hydraulische Abgleich eine Pflichtaufgabe. In Verträgen sollte Teil C der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/C) explizit genannt werden. Für einen hydraulischen Abgleich sind die nötigen Komponenten wie voreinstellbare Thermostatventile einzubauen. Sind weitere Modernisierungen geplant, zum Beispiel an der Gebäudehülle, sollten diese möglichst vorher erledigt werden. So lässt sich die Heizungsanlage optimal auf den dann verminderten Wärmebedarf des Gebäudes anpassen. Für eine Förderung des hydraulischen Abgleichs sind zum Teil weitere Bedingungen zu beachten und die erforderlichen Papiere auszufüllen.

31. Die Heizung soll nach und nach erneuert werden. Womit fange ich an?

Sind Heizflächen zu erneuern, muss der hydraulische Abgleich danach erfolgen, da die neuen Heizflächen so an den Bedarf der Räume angepasst werden. Der Einbau neuer Thermostatventile sollte zusammen mit einem hydraulischen Abgleich in Auftrag gegeben werden, denn dann werden sie auch gleich optimal eingestellt. Ist ein Pumpentausch geplant, sollte dieser vor dem hydraulischen Abgleich oder gleichzeitig damit stattfinden, denn dann würde auch die Pumpe gleich optimal eingestellt. Der Wärmeerzeuger kann unabhängig vom hydraulischen Abgleich ausgetauscht werden. Da moderne Wärmeerzeuger wie Brennwertkessel und Wärmepumpen nach einem Abgleich effizienter arbeiten, wäre eine gleichzeitige Umsetzung sinnvoll und auch günstiger. Möglich ist auch der Austausch von Leitungsnetzen, der allerdings sehr aufwändig ist. Um die Kosten zu minimieren, sollte dabei der hydraulische Abgleich auch gleich mit erledigt werden.

32. Ich plane einen Neubau. Was muss ich für einen hydraulischen Abgleich beachten?

Bei einem Neubau ist der hydraulische Abgleich Pflicht. Teil C der Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen (VOB/C) verpflichtet den Handwerker, die Heizanlage hydraulisch abzugleichen und sollte deswegen in einem Vertrag für den hydraulischen Abgleich explizit genannt werden. Achten Sie darauf, dass eine Hocheffizienzpumpe mit der Energieeffizienzklasse A zum Einsatz kommt, auch wenn sie fest im Wärmeerzeuger eingebaut ist. Sofern Sie sich für einen Brennwertkessel entscheiden, ist ein möglichst großer Modulationsbereich (für ein Einfamilienhaus zum Beispiel 5 bis 20 kW) empfehlenswert. Auch für Wärmepumpen gilt: Die Leistung sollte möglichst nicht zu groß sein und sich herunter regeln lassen. Wird eine Förderung in Anspruch genommen, sind zum Teil weitere Vorgaben zu beachten und die entsprechenden Unterlagen vom Handwerker auszufüllen.

Ihre Frage war nicht dabei? Dann erkundigen Sie sich bei Ihrem Fachmann vor Ort oder schreiben Sie uns. Die Liste wird ständig erweitert.

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